Interkulturelle Kompetenz – Erfahrungsbericht von Florian H. – Auslandssemester USA

Wir studieren International Business. Wir sind urban und weltgewandt. Wo unsere Eltern in den 70ern hinter dem Brennerpass völlig neue Welten entdeckten, überqueren wir zum x-ten Mal den Atlantik und umrunden die Welt. Wir fühlen uns wie eine Mischung aus Christoph Columbus, Neil Armstrong und Mahatma Gandhi wenn wir abenteuerlustig „authentische“ Reisen durch Südostasien wagen. Selbstverständlich abseits aller Touristenpfade. Wie die anderen 20 Millionen Backpacker jährlich auch. NU_Erfahrungsbericht5_InterkulturelleInkompetenz_IMG_0693

Wir sind unsererseits die globalisierte Generation. Das Wort Kultur verwenden wir daher so inflationär wie die Facebook Likes unter den Bildern unserer besten Freunde.

Amerika? Ich bitte euch! Wir kennen alle Staffeln der Simpsons und haben Jay-Z schon stundenlang über New York rappen hören. Wenn wir dann noch unser iPhone werkseitig auf Englisch eingestellt lassen und es dennoch bedienen können, haben wir definitiv den Gipfel des Kosmopolitismus erreicht. Selbstüberschätzung bis Hochmut. Das eigentliche daraus resultierende Problem liegt nicht in unserem mangelnden Verständnis für die Kultur der USA. Es ist vielmehr grundlegender das fehlende Bewusstsein über die Existenz einer Makrokultur, die sich nicht stärker von der Europäischen differenzieren könnte. Unsere Ignoranz behindert uns darin ein tiefergehendes Verständnis für das Fremde zu suchen.

NU_Erfahrungsbericht5_InterkulturelleInkompetenzIm Land der unbegrenzten Möglichkeiten echauffieren wir uns kurz über ineffiziente SUV’s, eine offensichtliche große soziale Ungleichheit und nach spätestens vier Wochen können wir den anfänglich geliebten Burger nicht mehr sehen. Unser Herz schwärmt für die Liberalität und Vielfältigkeit.

Doch wir kratzen an der Oberfläche und suchen oft nur nach Bestätigung dessen, was wir ohnehin schon wissen. Das eigentliche Privileg eines Auslandsstudiums sollte für uns jedoch darin liegen, das zu erkunden was einem Pauschaltouristen verborgen bleibt.  Ein Verständnis für die zugrunde liegenden Attitüden der US-amerikanischen Kultur. Erst dann können wir begreifen, vergleichen und evaluieren.

NU_Erfahrungsbericht5_InterkulturelleInkompetenz_ShootingRanchIch glaube demnach, dass wir von unserer Zeit in Übersee nachhaltig am meisten profitieren, wenn wir alles was wir zu wissen glauben zu Hause lassen. Anschließend sollten wir weltbürgerlich und intelligent wie wir sind, mit allen drei Ziffern unseres IQ’s zu verstehen versuchen warum die Kultur in der wir temporär Leben so ist, wie sie ist. Dieses Verständnis wird ein besseres Mitbringsel sein als eine erweiterte Sammlung an Stammtischparolen.

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